Rettungswagen: So wie es ist kann es nicht bleiben! Unser südlicher Landkreis ist nach wie vor fahrlässig unterversorgt!

Regionalpolitik

Bei dem im PK-Bericht vom 14.06.2017 geschilderten Notfall handelt es sich um keinen Einzelfall, fährt doch der Rettungswagen aus Allershausen täglich mindestens einmal in den Landkreis Pfaffenhofen und versucht die Hilfsfrist einzuhalten.

Bereits 2016 forderte die Kreis-SPD gemeinsam mit dem Pfaffenhofener Bürgermeister Herker (SPD) eindringlich, die Stationierung des vierten Rettungswagen in Rohrbach zu überdenken, da die Hilfsfristen für den südlichen Landkreis oft nicht einzuhalten sind.

Dies wurde seitens des Zweckverbandes Ingolstadt und des Landratsamtes ignoriert.

Im geschilderten Fall im Pfaffenhofener Kurier, bei dem übrigens die Leitstelle Erding involviert war und nicht Landshut, sieht man nun die eklatante Verlängerung der Hilfsfrist um mehrere Minuten. Insofern kann man sich nur wundern, dass der südliche Landkreis politisch immer noch schweigt! Sind doch faktisch alle Bürger in Gerolsbach, Reichertshausen, Scheyern, Hettenshausen, Ilmmünster und Jetzendorf betroffen!

Die Stationierung in Rohrbach ist wohl eine politische Entscheidung gewesen, bei welcher die fachlichen Bedenken nicht gehört werden wollten.

Wenn man sich die Versorgung mit Rettungswachen für Rohrbach aus ansieht, bemerkt man sehr schnell, dass hier mit Reichertshofen, Geisenfeld, Mainburg und Pfaffenhofen vier Rettungswachen in unmittelbarer Nähe sind. Die Hilfsfristen wurden seit zig Jahren nicht hinterfragt oder bemängelt.

Erst seit die Landkreis SPD im Kommunalwahlkampf 2014 einen vierten Rettungswagen forderte, wurde ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben bzw. wurde ein entsprechendes Gutachten zeitlich vorgezogen. Die vollständigen Zeiten um die genaue Hilfsfrist bzw. die Einsatzzeiten zu ermitteln wurden entweder geschätzt oder konnten gar nicht ermittelt werden, weil die Zeiten vom Anruf des Notfalles bei der Leitstelle Ingolstadt über die Anforderung bei einer Fremdleitstelle und der Alarmierung bis zum Eintreffen des Rettungsmittels beim Notfall nicht korrekt dargestellt werden kann. Die Statusmeldungen werden entweder bei der entsendenden Leitstelle gespeichert oder kommen bei der anfordernden Leitstelle gar nicht oder verspätet an. Dies führt zu einer sehr verzerrten Darlegung von verwertbaren Zeiten und Zahlen.

Hier deshalb ein praktisches Ablaufbeispiel zum besseren Verständnis der realen Praxis:

Es erfolgt der Anruf bei der Leitstelle Ingolstadt.

Die Hilfsfrist von 12 Minuten startet mit dem „Statusdrücken“ des Rettungsmittels am Funkgerät.

Dies bedeutet, die Zeit des Anrufes, die telefonische Bearbeitung und Aufnahme in der Leitstelle, das Alarmieren des Rettungsmittel bis zum Besetzen des RTW wird nicht gerechnet.

Somit beginnt die Hilfsfrist (12 Minuten) für diesen „normalen“ Notfall in einer doch sehr schnellen Zeit.

Sollte aber das primär zuständige Rettungsmittel bei einem anderen Einsatz gebunden sein, wird in der benachbarten Leitstelle ein Rettungsmittel angefordert. Dies geschieht momentan telefonisch und dauert natürlich auch wieder ein paar Minuten.

In der „Fremdleitstelle“ beginnt die Prozedur wieder von vorne.

Rettungsmittel alarmieren, Rettungsmittel muss sich zum Einsatz melden und drückt am Funk seinen Status zur Übernahme des Einsatzes. Dies geschieht aber jetzt in der entsendenden Leitstelle in Erding, wie in dem vom Pfaffenhofener-Kurier geschilderten Fall.

Nun kommt noch ein nicht ganz unerheblicher Faktor hinzu.
Die Hilfsfrist beginnt nicht mit dem Statusdrücken in der entsendenden Leitstelle sondern erst beim ersten Funkkontakt zur anfordernden Leitstelle Ingolstadt. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Hilfsfristen zum Beispiel nach Pfaffenhofen eingehalten werden, wenn Höhe Salmading oder erst in Reichertshausen der Status gedrückt wird.

Diese harten Fakten müssen eben bei den Berechungen für ein Gutachten und zur Entscheidung wo ein Stellplatz eingerichtet wird herangezogen werden. Am einfachsten wäre es allerdings, man würde einfach auf die Rettungskräfte aus der Praxis hören.

Fakt ist, unser südlicher Landkreis ist weiterhin fahrlässig unterversorgt.

Zieht man Vergleiche mit anderen Landkreisen, ist dies leicht nachzuweisen. Zudem wird bei uns, im Verhältnis zur Einwohnerzahl und existierenden Gefahrenpunkten, wie die Autobahn A9, der Chemiepark Münchsmünster und Ebenhausen Werk, sowie weiterer gefährdeter Betriebe und Einrichtungen, eine sehr niedrige Vorhaltung von Rettungsmittelvorhaltung betrieben.

So wie es ist kann es jedenfalls nicht bleiben!
Mittlerweile bräuchte der Landkreis Pfaffenhofen also einen fünften Rettungswagen, der im südlichen Landkreis stationiert werden muss.

Die Landkreis-SPD fordert deshalb alle Akteure nochmals auf, endlich etwas gegen die Unterversorgung im südlichen Landkreis zu unternehmen!

Zur Finanzierung:
Es gibt eine Vielzahl an Beispielen aus anderen Landkreisen in Bayern wo mehrere Stellplätze von den Krankenkassen finanziert werden, weil die Zweckverbände, in denen die Landkreise und kreisfreien Städte Mitglieder sind, dies auch mit Nachdruck gefordert haben.

Von unserem Zweckverband in Ingolstadt lernt man nur das Sparen für die Krankenkassen.

 

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